Wichtige Daten
1913 – Gründung der Gartenstadt Staaken mit Wohnungen für Arbeiter der militärischen Werkstätten in Spandau. Am 14. Mai erteilt der Kreisausschuss in Nauen die Ansiedlungsgenehmigung.
1915 – Plan für eine eigene Kirchengemeinde mit Kirche und Pfarrhaus.
1918 – Ab dem 1. Oktober betreut Eduard Lindenmeyer, 2. Pfarrer der Dorfkirchengemeinde Staaken, den Gemeindeteil Gartenstadt. Gottesdienste finden im Zeichensaal der Mädchenschule statt.
1921 – Nach einem Schulstreik am 1. Oktober wird die Schule weltlich – die evangelische und die katholische Gemeinde verlieren ihre Gottesdiensträume. Am 1. Dezember beschließt der Gemeindekirchenrat den Bau einer Kirche.
1922 – Wahlen in zwei kirchlichen Körperschaften, Staaken-Dorf und Gartenstadt Staaken. Grundsteinlegung am 2. Juni, Einweihung der Kirche am 19. November.
1925 – Am 1. Januar wird die Ev. Kirchengemeinde Gartenstadt Staaken gegründet, Eduard Lindenmeyer wird ihr erster Pfarrer.
1928 – Das Gemeindehaus wird gebaut, am 27. Mai wird die erste Orgel eingeweiht.
1932 – Der Altarraum ist geöffnet, die Kirche hat ihre heutige Gestalt.
1955 – Die Glocken „Freude“ und „Friede“ kommen in die Kirche.
1959 – Am 23. August wird die heutige Weißenborn-Orgel eingeweiht.
1961 – Endgültige Trennung vom Gemeindeteil West-Staaken.
1964 – Am 22. November wird die Ehrentafel übergeben.
1980 – Die kleine Glocke aus dem 15. Jahrhundert stürzt aus dem Dachreiter, seit 1982 hängt dort eine neue.
2002 – Das moderne Altarbild von Ludger Trautmann entsteht.
2005 – Der DACHREITER e.V. stiftet Läuteanlagen für alle drei Glocken.
2022 – 100. Kirchweihfest.
2025 – Am 1. Januar fusioniert die Gemeinde mit der Gemeinde zu Staaken zur Ev. Kirchengemeinde Staaken.
Pfarrer und Pfarrerinnen
1918–1924
Eduard Lindenmeyer, 2. Pfarrer von Staaken-Dorf, zuständig für die Gartenstadt
1925–1931
Eduard Lindenmeyer (eigenständige Gemeinde ab 1. Januar 1925)
1931–1954
Johannes Stephan
1954–1977
Arthur Katzenstein
1978–2013
Thomas Hartmann
2013–2024
Heike Everth
seit 2025
Teil der Ev. Kirchengemeinde Staaken
Zusammengestellt von Werner Finkelmann für den Kirchbauverein DACHREITER Gartenstadt-Kirche e.V.
Quellen u. a.: Jürgen Grothe, „50 Jahre Gotteshaus der Gartenstadt Staaken“; Dr. Johannes Feustel, „Die Gartenstadt-Kirche zu Berlin-Staaken“; Ausstellung „Eine Kirche für die Gartenstadt“ zum 90. Kirchweihfest 2012.
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Kirchbau
Ein Haus unter Häusern
Schon beim Bau der Gartenstadt war eine Kirche geplant. Paul Schmitthenner, der Architekt der Gartenstadt, entwarf eine große Kirche mit 500 Plätzen. Der Erste Weltkrieg und die Geldnot verhinderten den Bau, später hatte der Wohnungsbau Vorrang. Nach vielen Entwürfen wurde schließlich der Vorschlag von Dr.-Ing. Curt Steinberg für eine kleine Kirche umgesetzt.
Weil Baustoffe kaum zu bekommen waren, kaufte der Gemeindekirchenrat den Schuppen 428/293 der ehemaligen Pulverfabrik der Deutschen Werke und baute die Kirche aus dem Abbruchmaterial. Die Grundsteinlegung war am 2. Juni 1922, die Einweihung am 19. November 1922.
Die Kirche wird mit einer märkischen Dorfkirche des ausgehenden Mittelalters verglichen: nicht dominierend, wie einst geplant, sondern ein Haus unter Häusern – aus Klinker wie die Häuser ringsum. Strebepfeiler und spitzbogige Fenster geben ihr einen gotisierenden Charakter. Eine Besonderheit: Der Altar steht im Westen, nicht wie üblich im Osten, der Richtung der aufgehenden Sonne.
Bis zum Bau des Gemeindehauses 1928 blieb der Bogen zum Altarraum verschlossen, der Raum diente als Gemeinderaum. Erst Anfang der 1930er-Jahre wurde er geöffnet, seitdem hat die Kirche ihre heutige Gestalt. Das erste Gestühl waren Bänke aus einer Kantine der Deutschen Werke. Zur Einweihung schenkte die Muttergemeinde Staaken-Dorf einen Abendmahlskelch und eine Patene mit der Prägung „1725“ (Silber, vergoldet). Auch Spandauer Gemeinden halfen bei der Ausstattung: Die kleine Glocke und die Kanzel stammen aus der Nikolaikirche.
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Orgel
790 Pfeifen und ein geteiltes Manual
Die erste Orgel wurde am 27. Mai 1928 eingeweiht. Orgelbaumeister Dinse hatte sie vor 1914 gebaut, über das Köpenicker Lehrerseminar kam sie in die Gartenstadt.
Die heutige Orgel wurde eigens für die Gartenstadt-Kirche gebaut – nach Plänen der Sachverständigen Dr. Kühn (Physiker) und Herbert Schultze (Kirchenmusikschule Johannesstift), ausgeführt von der Firma Friedrich Weißenborn aus Braunschweig. Eingeweiht wurde sie am 23. August 1959. Sie ist eine mechanische Schleifladenorgel mit Pedal und einem Manual, das in Bass und Diskant geteilt ist, und hat 790 Pfeifen. Ihr Konstrukteur Herbert Schultze gab den künftigen Organisten einen Rat mit auf den Weg: „Es bedarf freilich eines intelligenten Spielers, der die durch die Zerlegbarkeit in Bass und Diskant gegebenen Möglichkeiten auszunutzen versteht.“
1999 wurde das Register Krummhorn durch eine Bassflöte 8′ ersetzt, damit die Orgel besser für den Gottesdienst taugt. (Finanzierung: Ludwig/DACHREITER e.V.)
Im November 2025 beschloss der Gemeindekirchenrat, eine Orgel des Orgelbauers Carl Giese aus dem Jahr 1867 zu kaufen.
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Glocken
Drei Glocken mit Geschichte
Die kleine Glocke im Dachreiter stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie hing zuvor in der Spandauer Nikolaikirche – vielleicht als Signier- oder Messglocke – und kam über die Gemeinde Siemensstadt in die Gartenstadt-Kirche. Geschmückt ist sie mit zwei Kränzen aus vier bzw. sechs Medaillons: Mariä Verkündigung, Christi Geburt, Kreuzigung, der Pelikan als Zeichen des Opfertodes und der Phönix als Zeichen der Auferstehung.
1980 stürzte die Glocke bei Wartungsarbeiten aus dem Dachreiter und zerschellte auf dem Betonweg – ein unschätzbarer Verlust. Die Gemeindeglieder Ludwig und Finkelmann setzten die vielen Scherben wieder zusammen, damit die Glocke weiterhin gezeigt werden kann. Seit 1982 hängt eine neue Glocke im Turm.
Die großen Glocken „Freude“ (750 kg) und „Friede“ (1.250 kg) wurden 1955 angeschafft, nachdem sie 1954 auf der Industrieausstellung zu sehen waren. Die Stahlgussglocken der Firma Franz Weeren tragen den Spruch „Land, Land höre des Herren Wort“. Gekauft wurden sie, damit die Gemeindeglieder im abgetrennten, in der DDR gelegenen Gemeindeteil West-Staaken das Läuten zum Gottesdienst hören konnten – ein Besuch der Kirche war ihnen nicht mehr möglich. Endgültig getrennt wurde die Gemeinde 1961.
2005 stiftete der Kirchbauverein DACHREITER Gartenstadt-Kirche e.V. Läuteanlagen für alle drei Glocken.
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Kanzel, Taufe und Altar
Geschenke und Kunstwerke
Kanzel
Die Kanzel wurde 1839 für die Nikolaikirche in Spandau gebaut. Als diese 1902/03 eine neue bekam, wurde die alte eingelagert. Am 7. Oktober 1922 schenkte die Nikolaigemeinde sie der Gartenstadt-Kirche, wo sie an den Raum angepasst wurde. Aus dem ursprünglichen Kanzelfuß entstanden Taufstein und Kollektenstock. Die Kanzelbilder zeigen die vier Evangelisten; das Bild des Johannes fand mangels Platz an der Empore seinen Ort. Der Maler ist nicht bekannt.
Taufgeschirr
Die Taufschale aus gehämmertem Messing kam um 2000 in die Kirche. Die passende Taufkanne schenkte der Kirchbauverein DACHREITER Gartenstadt-Kirche e.V. der Gemeinde zum 100. Kirchweihfest 2022.
Altarbilder
Die Altarbilder wechseln im Laufe des Kirchenjahres: Von Erntedank bis zum Ende der Osterzeit ist „Christus in Gethsemane“ zu sehen, ab Pfingsten der „Pfingstliche Windgeist“.
„Christus in Gethsemane“ malte Clara Hensel (1868–1942), Tochter eines Spandauer Superintendenten, 1923–25 im Stil der Nazarener. Das Bild kam nach der Öffnung des Altarraums 1932 in die Kirche, 1936 kaufte die Gemeinde es der Malerin für 300 Mark ab. Ein weiteres Altarbild von ihr befindet sich in der Kirche Altenritte-Baunatal bei Kassel, außerdem illustrierte sie Kinderbücher. Auch das unsignierte Jesusporträt im Turmraum der Dorfkirche wird ihr zugeschrieben, und in der Spandauer Lutherkirche hängen zwei Pfarrerporträts von ihr – eines zeigt ihren Vater. 2011 gab der DACHREITER e.V. das Heft „Clara Hensel – Eine Spandauer Malerin“ heraus.
Das moderne Altarbild schuf der Hamburger Künstler Ludger Trautmann (* 1968) im Jahr 2002, Öl auf Segeltuch. Es zeigt den pfingstlichen Windgeist in symbolischer Anlehnung an ein Segel. Das Antependium am Altar stellt die pfingstliche Jüngerschaft dar.
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Gedenken
Ehrentafel und Friedhof
Links neben dem Eingang erinnert eine Ehrentafel an die Opfer beider Weltkriege. Das Relief des Bildhauers Heinz Spilker (geb. 1927) wurde am 22. November 1964 übergeben. Es ist im Stil des Neuen Realismus gehalten: Nicht der Heldentod steht im Vordergrund, sondern die Stellung des Menschen zu Jesus, dem Erlöser.
Der kleine Friedhof vor der Kirche entstand in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs, weil der Staakener Friedhof an der Heerstraße unter Beschuss lag.
Galerie
Historische und aktuelle Aufnahmen aus der Gartenstadt-Kirche. Hast du alte Fotos oder Dokumente zur Geschichte der Kirche? Schick sie uns gerne an info@kirchengemeinde-staaken.de
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Kirchbauverein
DACHREITER Gartenstadt-Kirche e.V.
Der DACHREITER Gartenstadt-Kirche e.V. wurde 1988 gegründet. Die Gründungsmitglieder wollten ihren Beitrag leisten und die Gemeinde finanziell bei der Unterhaltung des Kirchengebäudes einschließlich des Inventars unterstützen.
Im Laufe der Jahre konnten einige Projekte finanziert werden. Es sollen nur einige Beispiele genannt sein:
- Restaurierung der Kanzelbilder und des Altarbildes
- Umbau der Orgel
- Einbau einer Glockenläuteanlage
- Erneuerung der Heizungsanlage
Unser letztes Projekt war die Außensanierung der Kirche. Die Klinkersteine, aus denen die Kirche gebaut wurde, stammten schon aus einem Abrissgebäude und der Zahn der Zeit hatte an den Fugen genagt. Detlev Horn hat federführend die Arbeiten begleitet und selbst Hand angelegt.
Du bist herzlich eingeladen, Mitglied des DACHREITER zu werden und die Gemeinde bei ihrer Aufgabe zu unterstützen, ein Wahrzeichen der Gartenstadt Staaken zu erhalten.
Auch für Spenden sind wir dankbar. Die Gemeinnützigkeit des Vereins ist anerkannt – Spenden sind also steuerlich abzugsfähig.
Spendenkonto: IBAN DE73 5206 0410 0003 9077 91
Nähere Auskünfte beim Vorstand
Werner Finkelmann, Detlev Horn und Eleonore Geue
Telefon 03322/206611